Japanisches Liebesleben

Keine Heirat, keine Kinder und kein Sex.

Was ist mit den Japanern los?

Im asexuellen Japan leben fast die Hälfte der jungen Männer und Frauen jungfräulich. Schuld daran seien die Arbeit und die Regierung. In Angesichts dessen, dass die japanische Bevölkerung weltweit am schnellsten altert, ist dies keine gute Nachricht für die nächsten Generationen.

„Die Regierung muss mehr tun“. Das sagt Aoyama, eine ehemalige japanische Domina, die nun ihre Dienste als Sex- und Beziehungsberaterin anbietet. 45% der japanischen Frauen zwischen 16 und 24 sind nicht an sexuellen Kontakten interessiert (Japan Times).

Sex Beraterin und Domina Aoyama, Japan

Sex Beraterin und Domina Aoyama, Japan

Über ein Viertel aller Männer sind ähnlich eingestellt. Diese Zahlen wurden in einem Artikel von The Guardian am 20. Oktober 2013 rapportiert. Es geht so weiter: 61% aller unverheirateter Männer und 49% aller Frauen zwischen 18 und 34 haben noch nie eine romantische Beziehung erlebt. Das stellt eine Erhöhung von fast 10% in den letzten 5 Jahren dar.

Die Ehe sei in Japan ein unattraktives Minenfeld geworden: Japanische Männer sind weniger von Karriere getrieben und weniger solvent geworden, seit es den lebenslangen Arbeitsplatz nicht mehr gibt. Ausserdem sind japanische Frauen unabhängiger und ehrgeiziger geworden. Und doch verharren die konservativen Haltungen zu Hause und am Arbeitsplatz. Die japanischen Firmen machen es Frauen fast unmöglich, Karriere und Familie zu vereinen. Kinder sind unerschwinglich. (siehe JapanCrush.com)

Tomita hat manchmal One-Night-Stands mit Männern, die sie in Bars trifft. Sie sagt, der Sex hat für mich keine Priorität. “Ich werde oft von verheirateten Männern im Büro gefragt, die eine Affäre mit mir wollen. Sie nehmen an, dass ich verzweifle, weil ich Single bin“.  Dann schneidet sie eine Grimasse und zuckt mit den Achseln.

Japan Kind interkulturelle Beratung intermedio

Zu wenige japanische Kinder interkulturelle Beratung intermedio

“Das ist zu lästig” sagt Kishino, wenn man ihn fragt, warum er nicht an einer Freundin interessiert sei. “Ich verdiene kein riesiges Gehalt und will keine Dates, weil die Frauen glauben könnten, dass ich am Heiraten interessiert wäre“. Japans Medien nennen Männer wie Kishino “Pflanzenfresser” oder soshoku danshi (wortwörtlich “Grass fressende Männer”). Die Begriffe folgen einer Analogie aus dem Tierreich, in dem Pflanzenfresser allgemein als passiv gelten.

Hat Aoyama Recht und sollte die Regierung eine familien- und kinderfördernde Politik anwenden? Wahrscheinlich schon. Nirgends in der Welt sonst altert die Gesellschaft so schnell wie in Japan. Hier werden aber die Themen Sex und Familie eng miteinander verknüpft. Bedeutet Ehelosigkeit automatisch Kinderlosigkeit oder ein Leben ohne Sex? „In Japan ticken die Uhren tatsächlich anders als in Europa. Hier bedeutet die Abkehr von der Ehe, dass diese Menschen auch keine Kinder bekommen. Im Konkubinat lebende Paare sind sehr selten“. Das sagt ein Artikel der Frankfurter Allgemeine vom 29.11.2011. Auch in japanischen Ehebetten ginge es ausgesprochen freudlos zu. Eine Studie des japanischen Gesundheitsministeriums brachte Anfang dieses Jahres zutage, dass 40,8 Prozent aller befragten Ehepaare angaben, sie hätten im letzten Monat keinen Sex gehabt. Männer antworteten auf die Frage nach dem Warum, sie seien nach der langen Arbeit einfach zu müde.

asexuelles Japan interkulturelle Beratung intermedio

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Trotzdem – oder gerade deswegen – gibt es Dating-Plattformen wie JapanCupid.com, die gemäss eigener Werbung erfolgreich sind. Allerdings spricht diese Platform in 15 verschiedenen Sprachen die internationale Kundschaft an. „JapanCupid verbindet tausende japanische Singles mit ihren Traumpartnern aus aller Welt, […] Egal, ob Sie nach einem Date oder der Liebe ihres Lebens suchen“.

In der U-Bahn von Tokio bietet sich unter den Passagieren ein anderes, für europäischen Verhältnisse seltsames Bild. Viele Männer in den besten Jahren blättern ungeniert in pornografischen Comics. Interessanterweise haben die Protagonisten solcher Magazine einen europäischen Gestalt. Eine im Vergleich zu echten Liebesbeziehungen preislich günstigere Art, ihre sexuellen Fantasien zu leben?

1 Antwort
  1. Jan
    Jan sagte:

    Eine kulturelle Ausprägung, die in der westlichen Welt eher schwer nachzuvollziehen ist. Aber gibt es hierzulande nicht dennoch bereits ähnliche Tendenzen? Weniger Bindungen, Kinderlosigkeit, zu müde nach der Arbeit? Naja, immerhin die pornografischen Mangas haben sich in den S-Bahnen noch verbreitet.

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